Insolvenz in England – Mit einer Restschuldbefreiung im Ausland Zeit, Geld und Kummer sparen

Insolvenzverfahren in EnglandFür ein Insolvenzverfahren in England und eine Privatinsolvenz im Ausland gilt es einige Schritte einzuhalten. Wer nach zwölf Monaten schuldenfrei sein möchte, der kann einen Insolvenzantrag in England beim Insolvenzgericht, dem Bankruptcy Court einreichen. Wird dagegen die Privatinsolvenz in Deutschland eingereicht, so müssen sechs lange Jahre der Entschuldungsphase eingehalten werden. Welchen Unterschied das englische und das deutsche Insolvenzrecht haben, zeigt der nachfolgende Beitrag auf.

Privatinsolvenz in England und die Rechtssituation

Nachdem der Antrag bei der Bankruptcy Court eingereicht wurde, hat der Schuldner nach besten Wissen und Gewissen versichert, dass er sein persönliches Insolvenzverfahren in England angemeldet und zeitgleich die Liste der bekannten Gläubiger mit Adressen als auch der geschuldeten Beträge vorgelegt hat. Weiterhin erklärt der Schuldner sich bereit, mindestens sechs Monate lang den Lebensmittelpunkt (LP) in England zu haben. Je nachdem wie viele Gläubiger die Liste aufweist, kann der Antrag der bei Gericht vorliegt, zwischen 40 und 50 Seiten betragen. Darüber hinaus ist dieser Antrag gespickt mit einigen Hürden, die eigentlich nur ein Fachmann beurteilen kann.

Wie wichtig der Lebensmittelpunkt bei einer Insolvenz in England ist, wurde bei einem Urteil vom Landgericht Köln gezeigt, wo einem Schuldner die Restschuldbefreiung in England nach einem Verstoß gegen den ordre publik gem. Art. 26 EuinsVO in Deutschland nicht angerechnet wurde. Die Begründung leitete sich ab, dass der Schuldner seinen Wohnsitz nur zum Schein nach England verlegte, um sich seinen Gläubigern zu entziehen, was als eine Vorspiegelung von falschen Tatsachen ausgelegt wurde. Der Schuldner hatte seinen Wohnsitz mehrfach geändert, selbst überschneidende Wohnsitze in verschieden Ländern wurden angegeben. Auch in England wurde die Wohnung mehrmals gewechselt. Dass es sich hier um ein sogenanntes Insolvenznest handelt, dürfte jedem klar sein, das Gericht hat entsprechend entschieden.

Die Insolvenz im Ausland

Sinn und Zweck einer Privatinsolvenz im Ausland ist die Wiedererlangung der Zahlungsfähigkeit eines Schuldners. Das deutsche Recht hat gegenüber dem englischen strengere Vorschriften. Ein EU-Bürger meldet seinen Wohnsitz in England an und durchläuft eine kürzere Wohlverhaltensphase. Während die Wohlverhaltensphase in Deutschland sechs Jahre beträgt, ist sie in England mit zwölf Monaten abgeschlossen. Auch muss sich der Schuldner in der Privatinsolvenz England keine Erwerbstätigkeit suchen. Das deutsche Insolvenzrecht zeigt nur Interessen die den Gläubigern zugutekommen. Der Schuldner hat nur einen geringen Rechtsschutz. Bei der Insolvenz in England werden volkswirtschaftliche Belange in den Vordergrund gestellt. Das zielt darauf ab, dass der Schuldner schnell von seinen Schulden befreit wird. Die Motivation des Schuldners soll zu einer Teilnahme am Berufsleben beitragen.

Verkürzte Wohlverhaltungsphase bei der Insolvenz in England

Das Insolvenzverfahren das in Deutschland beantragt wird, hat eine Verfahrensdauer von sechs Jahren. Die Restschuldbefreiung wird erst nach Ablauf der Wohlverhaltensphase ausgesprochen. Bei einer Privatinsolvenz in England wird die Restschuldbefreiung in England bereits bei Verfahrenseröffnung festgesetzt. Die Wohlverhaltensphase beträgt bei der Insolvenz in England zwölf Monate. Ebenso gibt es eine Ausnahmeregelung „early discharge“ die eine Restschuldbefreiung in England vor Ablauf der zwölf Monate festlegt. Dieses Verfahren erfolgt, wenn der Insolvenzverwalter die Überzeugung hat, dass der Schuldner alle relevanten Informationen beigebracht hat und keine weiteren Recherchen mehr notwendig sind.

Unerlaubte Handlungen bei der Insolvenz im Ausland

Eine Insolvenz in England lohnt sich, wenn es zu unerlaubten Handlungen gekommen ist. In Deutschland werden Verbindlichkeiten aus diesen Handlungen nicht von der Restschuldbefreiung erfasst. So sind Unternehmen die die unerlaubte Handlung in Form einer Insolvenzverschleppung begangen haben, schwer davon betroffen. Eine Insolvenzverschleppung kann schnell zu Lasten gelegt werden, auch wenn diese gar nicht gewollt war. Die englische Privatinsolvenz in England hat den Vorteil, dass dem Schuldner, die Schulden aus unerlaubten Handlungen nicht angelastet werden. Die Restschuldbefreiung in England wird dann nicht gewährt, wenn die Schulden sich aus betrügerischen Handlungen angesammelt haben. Zusammenfassend kann man sagen, dass eine Restschuldbefreiung in England genehmigt wird. Das deutsche Recht hat zahlreiche Ausschluss- und Versagungsgründe, die die Restschuldbefreiung blockieren. Da die Befreiung erst nach der Wohlverhaltensphase ausgesprochen wird, muss der Schuldner sechs Jahre lang mit diesem Unsicherheitsfaktor leben.

Acht Schritte bis zur Restschuldbefreiung

Hierzulande sind feste Pfändungsfreigrenzen festgelegt. Finanzielle Beträge die darüber liegen, werden ausnahmslos gepfändet. Im Insolvenzverfahren in England wird die Höhe der Pfändungsfreigrenze vom Insolvenzverwalter entschieden und geprüft. Wer die nachfolgenden Schritte einhält, kann nach ungefähr 18 Monaten mit einer totalen Restschuldbefreiung rechnen.

Der deutsche Personalausweis sollte noch mindestens für zwei Jahre Gültigkeit haben, wenn nicht muss er verlängert werden. Danach muss der deutsche Wohnsitz beim Einwohnermeldeamt abgemeldet werden. Der Lebensmittelpunkt muss nach England verlegt werden. Der Schuldner hat nachzuweisen, dass er den größten Teil des Jahres in England verbringt. Das wird durch den Nachweis seiner persönlichen Infrastruktur belegt. Dazu müssen die Wohnung und ein Konto in England vorliegen. Im Idealfall gibt es auch einen Arbeitgeber und ein Auto, das eine englische Zulassung hat. Hotelzimmer usw. oder Briefkastenadressen sind nicht ausreichend.

Ist der Lebensmittelpunkt in England eingerichtet, muss eine Sozialversicherungsnummer beschafft werden. Dadurch wird der Zugang zum englischen Versorgungssystem erlangt. Daneben wird die Sozialversicherungsnummer bei medizinischen Einrichtungen und bei der Aufnahme einer Anstellung benötigt. Die Wartezeit um ein Insolvenzverfahren in England zu eröffnen beträgt sechs Monate. Die Verlegung des Lebensschwerpunktes muss in glaubhafter Art und Weise nachgewiesen werden.

Das Insolvenzverfahren in England und seine Vorzüge

Wer die vorgenannten Punkte erfüllt hat, kann die Privatinsolvenz in England stellen. Dazu müssen alle Gläubiger genannt und aufgelistet werden. Der Insolvenzantrag kann dann persönlich bei Gericht vorgelegt werden. Es könnte möglich sein, dass es noch ein direktes Gespräch mit dem zuständigen Insolvenzrichter gibt, nach dem Hearing wird dann das Insolvenzverfahren in England eröffnet. Natürlich werden die Gläubiger darauf bestehen, dass der Lebensmittelpunkt nur gefakt ist. Deshalb ist es wichtig diesem einen besonderen Nachdruck zu geben.

Die Vorteile der englischen Privatinsolvenz im Überblick

  • Eine kurze Wohlverhaltensphase von nur zwölf Monaten
  • Keine festgelegten Pfändungsfreigrenzen
  • Eine schnelle Restschuldbefreiung
  • Eine Restschuldbefreiung auch bei unerlaubten Handlungen

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